Als Journalist darf man nicht weinerlich sein: Wer austeilt, muss auch einstecken. Es ist im wirklichen Leben wie im Sandkasten: Nimmst du dem Thorben das Schäufelchen weg, haut er dir den Eimer auf die Birne.
Aber ein paar Grenzen sollten doch gewahrt werden. Wenn ein Bundesminister über ein Medium sagt, das sei «Irrsinn»; die Autoren unzivilisiert, unfähig, mit Messer und Gabel zu essen, und ihre Leser auch, weswegen sie hinter eine «Brandmauer» eingesperrt gehörten – dann ist eine Grenze überschritten.
So tobt und fuchtelt und kreischt der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir über Tichys Einblick (TE) und Julian Reichelt.
Unser gemeinsames Vergehen: TE hat veröffentlicht, dass die Ehefrau des bekanntlich am Hungertuch nagenden Landwirtschaftsministers neben ihrem Einkommen vom Staatssender Deutsche Welle als «Journalistin» auch noch Geld aus dem Auswärtigen Amt bezogen hat. Dort residiert Özdemirs Parteifreundin Annalena Baerbock.
Eigentlich eine ganz normale Recherche über familiären Filz; und Özdemir beklagt sich jetzt darüber, dass die massgeblich von Julian Reichelts Pleiteticker grossartig weiterverbreitet worden ist.
Was für eine Schweinerei: Journalisten decken auf, und die Story verbreitet sich!
Nun werden die Grünen von ihren Medien mit dem silbernen Löffel im Mund ohnehin nicht gepikst. Es war TE, das eineinhalb Jahre immer wieder darauf hingewiesen hat, was schliesslich doch nicht mehr unter der Decke zu halten war: Dass nicht nur in Robert Habecks Wirtschaftsministerium, sondern in der gesamten Ampel-Regierung sieben Staatssekretäre dafür sorgen, dass Gesetzesvorlagen einer geheimbündlicherischen «Agora» zu Energiewende, Wärmewende, Verkehrswende und Agrarwende umgesetzt werden. Mithilfe von US-Geldern und Mitteln, die man wiederum aus der Bundeskasse solchen Vereinen zuschanzt, in deren Vorstand die Familienmitglieder von Robert Habecks Agora-Staatssekretär Patrick Graichen sitzen. Versorgung von Familienmitgliedern, Trauzeugen und dubiosen NGOs: das ist kein Filz, das ist ein bösartig vor sich hinbrodelnder Sumpf, dessen Abgase die deutsche Politik benebeln, das Parlament manipulieren und das Land vergiften.
Und dann jammert Özdemir, dass dann wie in den USA auch noch Wahlergebnisse angezweifelt werden könnten von diesen Schuften, ohne Messer und Gabel! Stimmt. TE hat 40.000 Berliner Wahldokumente eingescannt, sicherheitshalber auf einem Schweizer Server hinterlegt und den Schwindel so lange thematisiert, bis nicht nur die Wahlen angezweifelt, sondern sogar wiederholt werden mussten.
Deshalb, lieber Cem Özdemir, ein kleiner Hinweis: Wir werden auch in Zukunft an den kleinen, dreckigen Geschäften der Grünen dranbleiben. Mal schauen, wer schneller ist: wir mit dem Aufdecken oder Sie mit dem Versuch, die Reste der freien Medien in Deutschland mit Dreck zu bewerfen, bis wir ersticken. Topp, die Wette gilt.
Die Kommentare auf weltwoche.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.
Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.
Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.
Unzulässig sind Wortmeldungen, die
Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.