Kyrylo hat Molotow-Cocktails in seiner Stube gestapelt. Damit folge er einer Aufforderung des ukrainischen Verteidigungsministeriums, die über Twitter verbreitet wurde, sagt er während eines Live-Radiointerviews.

Die 3-Millionen-Stadt wirkt wie ausgestorben, weil die Bevölkerung aufgefordert wurde, die Wohnungen nicht zu verlassen. «Dort sind sie», sagt Kyrylo dann plötzlich, «durchs Fenster kann ich jetzt Jeeps und gepanzerte Fahrzeuge sehen. Aber sie bewegen sich auf den leeren Strassen so schnell, dass ich nicht sagen kann, ob es sich um ukrainische oder russische handelt.» Seine Zweifel sind verständlich.

Denn in der Ukraine zirkulieren Gerüchte, dass sich russische Soldaten mit ukrainischen Uniformen verkleiden würden und in ukrainischen Fahrzeugen unterwegs seien. «Die machen auf psychologische Kriegsführung,» meint er noch, und dann ist das Heulen der Sirenen zu hören, das dem Gespräch ein Ende setzt.

Im Zentrum Kiews sei es jetzt ruhig, sagt Maria, die beim Präsidentenpalast wohnt. Aber sie habe am Morgen deutlich Schüsse und Explosionen gehört. Sie hat Angst, dass die Hauptstadt bald erobert werde. Beim Bombenangriff müsste sie eigentlich «unter die Erde», also ins Untergeschoss, da sie wie die meisten keinen richtigen Luftschutzkeller habe.

Bis zur Metro, wo viele Zuflucht suchen, wäre es für sie mit ihren gehbehinderten und betagten Eltern, die bei ihr wohnen, zu weit. Auch das Untergeschoss komme für sie nicht in Frage. «Es gibt dort für meine Eltern nicht einmal Stühle.» Sie hätte nie geglaubt, dass Putin angreifen würde, deshalb habe sie nichts vorbereitet.

Eine andere Frau, die sich als Alina vorstellt, meint gegenüber dem Radioreporter, sie habe am zentralen Maidan Nesaleschnosti vier Männer beobachtet, die vier Männern Flaschen mit Benzin abfüllen. Mit den Brandwaffen «werden wir russische Truppen willkommen heissen», meint Alina.