Nur «Neutrum» würde noch besser zu der Partei passen, die einst CVP hiess und heute als Die Mitte firmiert. Das «C» musste weg. Niemand soll auf den Gedanken kommen, diese Organisation stehe für Inhalt.

Wer auf Posten und Pfründen für Vereinsmitglieder aus ist, darf nicht auffallen, muss in der Mitte treiben und sollte niemandem auf die Füsse treten. Nichts garantiert mehr Posten in Verwaltung, Armeeführung und in staatsnahen Unternehmen als totale Beliebigkeit. Was das angeht, ist Die Mitte unschlagbar, und nur so ist ihre massive Übervertretung in den genannten Gremien zu erklären.

Nach dem Griff des SRG-Verwaltungsrats in die mit Steuergeld prall gefüllte Kasse liess Mitte-Präsident Gerhard Pfister die Öffentlichkeit über Twitter wissen, er schäme sich für Parteifreunde.

Na und? Was ändert das? In wenigen Tagen ist die gespielte Empörung vergessen, und Gerhard Pfister kann wieder ungestört Parteifreunde versorgen.

Er darf alles machen, nur ändern darf er nichts.

Die 20-prozentige Lohnerhöhung, die sich der SRG-Verwaltungsrat gönnt, ist nur der jüngste Ausdruck eines alten, längst bekannten systemischen Missstands: Als das CVP-Aushängeschild Bruno Walpen 2005 als SRG-Chef einen Bruttolohn von 457.000 Franken deklarierte und dabei die Erhöhung im Vergleich zum Vorjahr von 66.000 Franken und den Porsche Cayenne glatt «vergass», sass Pfister schon zwei Jahre im Nationalrat.

Was hat Pfister seither zur Verhinderung solcher Exzesse beigetragen? Seien wir nicht zu hart! Bestimmt war er allzu sehr in Anspruch genommen von der Postauto-Affäre seiner Parteikollegen Doris Leuthard und Urs Schwaller.