Ja, Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff erhöhen das Risiko einer Herzmuskelentzündung, vor allem bei jungen Männern. Und nein, das Risiko ist nicht hoch: So lässt sich eine Studie zusammenfassen, die Dror Mevorach, der Chef der inneren Medizin am Jerusalemer Spital Hadassah Ein Kerem, geleitet hat.

Ausgewertet hat er die Reaktionen von fünf Millionen Israeli, die die Vakzine von Pfizer ein erstes Mal erhalten hatten. Bei den fünf Millionen Geimpften entwickelten 136 Menschen Myokarditis. Umgerechnet sind das 0,0000272 Prozent der Geimpften.

Bei 129 Patienten, also bei der überwiegenden Mehrheit, war der Krankheitsverlauf zudem «mild» (Mevorach). Womit das Risiko einer heftigen Reaktion lediglich bei 0,0000014 Prozent liegt. Auch nach dem zweiten Shot stellten sich kaum besorgnis-erregende Fälle von Herzmuskel-Entzündungen ein.

Nur 4 von 100.000 geimpften Männern waren nach der Impfung davon betroffen, was einem Prozentsatz von 0,00004 Prozent entspricht. Ähnliche Resultate zeigt auch eine Untersuchung aus Kanada. Demnächst sollen zudem die Ergebnisse einer finnischen Studie veröffentlicht werden.

Das Risiko einer Myokarditis sei bei Corona-Patienten «um einiges grösser» als bei Geimpften, sagt Ran Balicer, der bei der grössten Krankenkasse des Landes für Innovationen zuständig ist.

Beunruhigend ist allerdings etwas anderes: Die Art und Weise, wie Mevorach das Problem Myokarditis erstmals entdeckt hat. Er sei seinem Bauchgefühl gefolgt, sagt der Internist in einem Interview, und habe mit Recherchen begonnen, als er bei einem seiner Patienten einen Zusammenhang zwischen Impfung und Herzmuskel-Entzündung vermutet habe.

Zuvor hatte es keine systematischen Untersuchungen gegeben. Und als er Pfizer über seinen Verdacht in Kenntnis setzte, weigerte sich der Pharma-Konzern während vier Monaten, ihm zu glauben. Erst nachdem Mevorach die Ergebnisse seiner Studie ans Hauptquartier von Pfizer geschickt hatte, nahm man dort seine Warnung ernst.

Bei einer der grossen Gesundheitskassen Israels wimmelt man Fragen zu Nebenwirkungen der Impfung ab: Wenn die Pandemie vorbei sei, werde man Zeit haben, sich darum zu kümmern. Eine Antwort, die sicher nicht dazu beiträgt, die Zweifel der Impfskeptiker zu zerstreuen.