Ein Begriff macht die Runde, der schon verschwunden schien: Vertriebene.

Angewendet wird er auf Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen. Sie sind nicht Flüchtlinge, schon gar nicht Schutzsuchende, sondern «Vertriebene».

Im deutschen Sprachgebrauch hat das Wort eher einen negativen Klang. Vertriebene waren nach dem Weltkrieg aus ihrer Heimat im Osten vertrieben worden. Am Leben gehalten wurde der Begriff durch angebliche Revanchisten-Vereine wie den Bund der Vertriebenen, an deren Spitze lange – igitt – eine AfD-Sympathisantin wie Erika Steinbach stand.

Nun also sind Ukrainer Vertriebene. Denn auf keinen Fall soll man sie mit Flüchtlingen aus Afrika, Afghanistan oder Nahost vergleichen.

Zu augenfällig sind die Unterschiede: Hier Wirtschaftsmigranten mit ausgeprägtem Anspruchsdenken hinsichtlich der Segnungen des Sozialstaates. Da Ausgebombte und Heimatlose, die im Zweifel selber ihren Lebensunterhalt bestreiten und so schnell wie möglich heimkehren wollen.

Wortklaubereien werden freilich nicht helfen: Unter dem Ansturm aus dem Osten zerbröselt das linke Flüchtlings-Narrativ von 2015.