Fragten mich Leser früher, warum ich nicht in die Politik ginge, sagte ich meist, dass Politik etwas für schlechte Menschen sei. Ich hätte Angst, dass irgendwann zwangsläufig etwas von dem Schlechten auf mich überspringt.

Sicher, die Aussage ist pauschal, aber nicht grundsätzlich falsch. Genau wie die Feststellung, dass die Schlimmsten meist jene sind, die sich nach aussen als besonders Gute darstellen.

Zu ihnen gehört zweifellos Familienministerin Anne Spiegel (Grüne). Als damalige Umweltministerin von Rheinland-Pfalz hatte sie eine fundamentale Fehleinschätzung zur Flut im Ahrtal veröffentlicht.

Schlimm genug. Aber vor allem sorgte sie sich darum, dass die entsprechende Pressemitteilung korrekt gegendert war. Besonderes Augenmerk richteten Spiegel und ihre Mitarbeiter auch auf das Image der Politikerin.

Die eigenwillige Prioritätensetzung wurde dank jetzt bekannt gewordener SMS-Protokolle öffentlich. Nicht so wichtig war die Hilfe für die von der Flut betroffenen Menschen. Wichtiger das Bemühen, dass die zuständige Ministerin nicht den Schwarzen Peter als Versager in der Katastrophe erhielt.

Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass es mich überrascht, wenn ein Politiker auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Dass sich diese Kaltschnäuzigkeit allerdings geballt bei jenen zeigt, die sich sonst immer als moralisch höherwertig aufspielen, kann gar nicht oft genug betont werden.