Wenn ein Medienhaus den publizistischen Leiter entlässt, dann muss es intern ziemlich ruppig zugegangen sein. Im Medienkonzern von CH Media war es nicht anders. VR-Präsident Peter Wanner machte soeben nicht viel Federlesens und warf seinen Oberpublizisten Pascal Hollenstein raus, und zwar per sofort.

Der Hintergrund ist der Vertrag, den die NZZ-Regionalmedien und die AZ Medien abschlossen, als sie Ende 2018 ihr Joint Venture starteten. Nach drei Jahren, so legte der Vertrag fest, würden gegenseitige Veto-Rechte gelockert, etwa in der Personalpolitik.

Nun waren die drei Jahre um, und VR-Präsident Wanner entliess umgehend seinen publizistischen Leiter Hollenstein. Damit ist klar, dass im Joint Venture zwischen den Aargauern und den Zürchern nur noch die Aargauer das Sagen haben. Hollenstein war bei CH Media der letzte Vertreter in einer Führungsposition, der aus dem Hause NZZ stammte. Das liess er, nicht ganz ohne Dünkel, die anderen gerne spüren.

Dass sich Wanner und Hollenstein persönlich nicht speziell leiden konnten, machte die Trennung zusätzlich leichter. Hollenstein ist eher der hitzige Typus, der auch in Sitzungen der Geschäftsleitung mit hochrotem Kopf herumtobte und auch schon mal die Türe hinter sich zuknallte. Wanner hingegen ist eher das, was man easy going nennt.

So sind die Aargauer im Unternehmen nun unter sich. Auch CEO Axel Wüstmann kommt aus dem vormaligen Wanner-Imperium. Und der höchste Publizist ist nun Ober-Chefredaktor Patrik Müller, auch er ein Aargauer. Die Zürcher von der NZZ schauen nur noch zu.