Und der Kanzler blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum …

Nein, Olaf Scholz (63, SPD) ist natürlich nicht die still leidende Mama aus dem «Suppenkaspar», die im «Struwwelpeter» dem mäkelnden Nachwuchs beiwohnt. Er sitzt im Kanzleramt, empfing gestern (Do) zum Beispiel den Schweizer Bundespräsidenten Ignazio Cassis, war am Montag auf Antrittsbesuch in Madrid und unterschreibt zwischendurch sicher viele Sachen.

Und doch fragen sich manche: Was macht eigentlich der Kanzler, während alle über Impfpflicht reden, im Osten neue Krisen heraufziehen, alles teurer wird und Wirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) neue Windmühlenwälder pflanzen möchte?

Die Antwort ist einfach: Scholz merkelt.

Es gehört zu den erstaunlichsten Phänomenen der politischen Neuzeit, dass die inzwischen nahezu unsichtbare Ex-Kanzlerin zwar noch immer ganz oben in Politiker-Rankings gelistet ist, man jedoch den Zustand von Deutschland oder auch nur ihrer eigenen Partei im Grunde nicht mit ihr in Verbindung bringt.

Ein Stil, den Scholz ganz offensichtlich gleich von Anfang an kopieren will: Politik ereignet sich unter ihm. Es trug sich zu in der Zeit, da Olaf Scholz Statthalter in Berlin-Mitte war …

«Wer Führung bestellt, kriegt sie auch», hat er gesagt. Die Frage ist nur: von wem? Zuweilen kann es da schon mal Lieferengpässe geben.