Der Tages-Anzeiger geht den grossen Problemen dieser Tage auf den Grund. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sprachwissenschaft der Universität Zürich hat er 106 Bände der populären deutschen Jugendkrimi-Buchreihe «TKKG» mit Computerhilfe analysieren lassen und ist dabei auf klischierte Geschlechter-Stereotypen und konservative Rollenmuster zuhauf gestossen.

Für nicht Eingeweihte: Bei «TKKG» handelt es sich um vier Jugendliche, die als Hobby-Detektive Verbrecher überführen: Tim, der smarte und sportliche, Karl, der hochintelligente Professoren-Sohn, Klösschen, der pummelige Schokoladen-Liebhaber, und Gaby, die hübsche Polizisten-Tochter.

Die Analyse ist nun zum Ergebnis gekommen, dass Tim die anderen dominiert – und dass Gabys Rolle auf ihre Schönheit, ihre Verbindung zur Polizei und ihre Verletzlichkeit reduziert wird. Die Verfasser der Studie orten darin die akute Gefahr, dass Kinder und Jugendliche vorzeitig auf veraltete Gesellschaftsbilder fixiert werden.

Der neutrale Leser, Vater von zwei Kindern (elf- und achtjährig), reibt sich verwundert die Augen – und erinnert sich an all die Grimm-Märchen, die er seinen Kleinen vorgelesen hat. Würde man hier nach Rollenmustern fanden, sähe das Verdikt ziemlich verheerend aus. Dasselbe gilt wohl für 80 Prozent der Walt-Disney-Geschichten – und ebenfalls für die meisten Opern und Operetten.

Deshalb im Sinne des gesunden Menschenverstands: Lasst die Kinder Kinder sein – und lasst sie die Welt selber entdecken. Mit teuren Studien und ideologischen Abgründen werden sie noch früh genug konfrontiert.