Schweizer Staatsangestellte haben nichts zu jammern. Gute Saläre, grosszügige Sozialleistungen, sicherer Job. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Beamte nichts annehmen dürfen. Nicht einmal Vernunft. Irrtum. Sie haben jeden Tag Black Friday. Die grössten Nutzniesser sind die Kantonsangestellten in Basel-Stadt. Wie der Blick veröffentlichte, bekommen diese Vergünstigungen am laufenden Band. Über 20 Seiten umfasst die Rabattliste. Sie bezahlen weniger für Autoreparaturen, Beziehungstherapie, Unterhaltungselektronik, Computer, Zahnarzt oder Hundecoiffeur, ebenso in vielen Fitnesscentern und Restaurants. Wenn ein Basler Beamter seine Freundin überraschen oder beeindrucken will, kann er sich verbilligt eine Stretchlimousine ausleihen. Obendrauf gibt es eine Flasche Prosecco.
Im Kanton Luzern bekommen Polizisten und Uni-Dozenten Rabatt auf Särge. Auch Autofelgen, Waschmaschinen, Kühlschränke und Weine  sind zum Sonderpreis zu haben.
Die Bündner Beamten können günstiger in Bijouterien posten. Berner Beamte profitieren unter anderem von vergünstigtem Sprit an der Tankstelle. Diese Aufzählung erhebt selbstverständlich nicht den geringsten Anspruch auf Vollzähligkeit.
Jetzt kam auch noch aus, dass der kleine, reiche Tiefststeuerkanton Obwalden für seine Beamten zum Lauschepper geworden ist. Das Personalamt schrieb viele Firmen an, es sei auf der Suche «nach attraktiven fringe benefits-Partnern für die 600 Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung».
Beruhigend: Dreistigkeit gewinnt nur dort, wo Dumme es mit sich machen lassen. Zu den Profiteuren gehörten früher auch die Journalisten. Sie genossen  –  beruflich und privat – 50 Prozent Rabatt bei der Swissair und 25 Prozent Ermässigung bei weiteren Fluggesellschaften, bekamen von den SBB gratis das Halbtaxabo und das GA für die Hälfte, Verbilligungen bei Autovermietern und sogar bei Autokäufen.
Viele Verleger vergüteten ihren Redaktoren den Jahresbeitrag für den Journalistenverband, weil sie dank den Vergünstigungen bei den Reisespesen sparten. Medienförderung von damals. Diese Geschenkemacherei wurde erfreulicherweise vor über 20 Jahren abgestellt.
Notabene nicht vom Journalistenverband, sondern von den Rabattgebern. In Museen, Kunsthäuser oder Zoos gehen die Journalisten noch heute gratis. Ich habe diese Eintritte immer selber bezahlt. Aus Sympathie zu den Institutionen.