Fast nie ist es für Politiker leichter, Sympathiepunkte zu gewinnen und Charme zu verbreiten, als wenn sie sich mit erfolgreichen Sportlern zeigen. Guy Parmelin erwies der Schweizer Delegation (trotz Pandemie und Flugzeugpanne) im vergangenen Sommer an den Olympischen Spielen in Tokio seine Referenz und durfte den Restglanz im Medaillenregen beanspruchen. Didier Burkhalter reiste 2014 nach Sotschi, Johann Schneider-Ammann 2016 nach Rio de Janeiro, Alain Berset 2018 nach Südkorea. Der SP-Magistrat hatte im selben Jahr auch an der Fussball-WM in Russland einen besonderen Auftritt – als er sich am Rande des Schweizer Spiels gegen Brasilien in Rostow am Don fröhlich unters Volk mischte, mit den Fans Bier trank und vom Blick zum «Selfie-König» geadelt wurde.

Der höchste Sportler unter den Schweizer Bundesräten ist aber für immer und ewig Adolf Ogi. Faktisch verdankt er seine ganze Politkarriere zu einem nicht unwesentlichen Teil den «Goldenen Tagen von Sapporo», als er 1972 als Delegationsleiter eines der schönsten Kapitel der Schweizer Sportgeschichte mitschrieb und den Slogan «Ogis Leute siegen heute» prägte.

Fünfzig Jahre später siegen die Schweizer Sportlerinnen und Sportler in China ähnlich schön wie damals in Japan. Mit Corinne Suter und Beat Feuz stellen sie die Champions in der Königsdisziplin der Alpinen, mit Marco Odermatt den Kaiser der Herzen und mit Lara Gut-Behrami die erfolgreichste Schweizer Rennfahrerin seit Vreni Schneider. Sie alle trotzen der Pandemie und verrichten ihr sportliches Tagewerk unter grossen Restriktionen.

Der Bundesrat aber – allen voran Sportministerin Viola Amherd – glänzt nur durch Abwesenheit. Wie es in der Pandemie zur schlechten Gewohnheit geworden ist, wünscht die Walliserin (angeblich eine leidenschaftliche Skifahrerin) der Delegation auf virtuellem Weg viel Glück. Das ist so seelenlos wie ein Fussballspiel ohne Publikum, ein Rockkonzert über einen Streaming-Dienst oder Spaghetti ohne Sauce.

Immerhin: Die Schweizer Sportlerinnen und Sportler leiden offensichtlich nicht unter dem bundesrätlichen Abseits. Sie können mit der Absenz von Amherd ganz gut umgehen. Die Politikerin selber, die Corona als Grund ihrer olympischen Verweigerungstaktik vorgeschoben hat, muss sich aber vorkommen wie eine Eishockeyspielerin, die vor dem leeren Tor danebenschiesst. Sie vergibt eine grosse Chance ziemlich kläglich.