Blick zurück in die neunziger Jahre, nachdem die Sowjetunion zusammengebrochen war: Geschäftsleute mit gutem Riecher brachten ihr Geld in London in Sicherheit, denn die Zukunft in Russland war damals ungewiss. Die damalige Tory-Regierung unter John Major hiess sie willkommen und sorgte für liberale Investitionsbedingungen.

Seither gehören die reichen Russen zu London wie die Asiaten und die Afrikaner in anderen sozialen Schichten.

Viele dieser russischen Oligarchen haben sich mit Putin politisch wie persönlich arrangiert. Dennoch wäre es falsch, in ihnen lediglich lusche Investoren zu sehen.

Leute wie Alexander Mamut tragen zum kulturellen Leben Grossbritanniens bei. Er kaufte etwa die Buchladenkette Waterstones; auch Alexander Lebedew ist mit der Pendlerzeitung Evening Standard in der Medienbranche aktiv.

Andere wiederum, zum Beispiel der Bankier Michail Fridman und seine Alfa Group, sind massgeblich im Energiesektor engagiert.

Diese Leute sind gewissermassen Angelpunkt zwischen dem Westen und Russland. So will es gut überlegt sein, wenn die britische Aussenministerin Elizabeth Truss nun droht, Eigentum dieser Kreise zu beschlagnahmen, sollte es zu noch mehr Sanktionen gegen Russland kommen.

Zumal jeder staatliche Zugriff, etwa auf Immobilien, nicht nur aus Sicht der Betroffenen als willkürlich erscheinen würde.