Am Donnerstag wurde das Tableau des Australian Open ausgelost. Im Zentrum des Interesses: Novak Djokovic. Der Weltranglistenerste und Titelverteidiger, der seit einer Woche in Australien weilt, aber aufgrund von (angeblich) unvollständigen und unklaren Formularen mit der Ausweisung rechnen muss, startet als Top-Gesetzter zum ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres und trifft in der ersten Runde auf seinen Landsmann Miomir Kecmanovic und danach (im Falle eines Sieges) auf den Amerikaner Tommy Paul.

Zuvor hatte die Weltöffentlichkeit gebannt nach Canberra geschaut, wo der australische Premierminister Scott Morrison nach der Kabinettssitzung eine Medienkonferenz abhielt. Alle rechneten damit, dass er im Fall Djokovic Klarheit schafft. Doch siehe da: Es gibt doch tatsächlich noch Wichtigeres als die Posse um den impfunwilligen Serben. Morrison sprach über die australische Covid-Strategie, sagte, dass es oberstes Gebot sei, dass die Spitäler entlastet und die Menschen arbeitsfähig bleiben – und er stellte Lockerungen in Aussicht. Vieles tönte wie bei Alain Berset.

Derweil bleibt die Causa Djokovic eine Hängepartie. Der australische Migrations-Minister Alex Hawke besitzt weiterhin das Recht, dem Serben das Visum zu entziehen. Je länger Djokovic aber in Australien weilt, desto unrealistischer wird dieses Szenario.

Weshalb die australischen Behörden, die in ihrer Corona-Politik bisher keine Kompromisse zuliessen, gegenüber Djokovic Milde walten lassen, ist unklar. Ist es die Angst vor einer Schadenersatzklage? Der Respekt vor den unabhängigen Gerichten und vor der Gewaltentrennung? Die Achtung vor einem ausserordentlichen Sportler? Oder schlicht der gesunde Menschenverstand?

Eigentlich egal. Die Geschichte ist schon lange zur Farce mit leeren Drohungen, sich aufspielenden Ministern und medialen Fehleinschätzungen geworden.

Aber die Gnade gegenüber Djokovic ist nichts als richtig. Denn es gibt tatsächlich noch Wichtigeres als einen Tennisspieler, der seinem Beruf nachgehen will.