«Pilotversuch» heisst das Zauberwort, mit dem in den Schweizer Städten Tempo 30 quasi durch die Hintertür auch auf den Hauptverkehrsachsen eingeführt wird. In Bern geben die rot-grünen Politiker in dieser Beziehung Vollgas – und scheinen Probleme, die etwa in Zürich heiss diskutiert werden (Verlangsamung und Verteuerung des ÖV, Behinderung von Notfalleinsätzen), locker zu umfahren.

So will die Stadt Bern mit einem Pilotversuch herausfinden, wie der öffentliche Verkehr «auch bei Temporeduktion flüssig unterwegs sein kann», ohne dass sich die Fahrzeit verlängert. So könnte beispielsweis auf zusätzliche Rechtsvortritte und die Verengung von Fahrbahnen verzichtet werden, wie sie Tempo 30 üblicherweise zur Folge hat.

Der Versuch soll möglichst bald durchgeführt werden – entweder auf der Schosshalden- oder der Viktoriastrasse.

Kosten des Bremsmanövers: 300.000 Franken.

Während in Zürich die Ausdehnung von Tempo 30 auf die Hauptverkehrsachsen unter anderem den Widerstand der Blaulichtorganisationen weckte, scheint sich dieses Problem in Bern in der rot-grünen Glückseligkeit von alleine zu lösen – weil Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen im Notfall bei Lichtsignalanlagen «umgehend Priorität» erhalten, wie es der Gemeinderat formuliert.

Der Beobachter aus der helvetischen Halbdistanz staunt. Aber vielleicht bestätigt die Berner Gelassenheit ja nur ein Klischee. Schliesslich ist Tempo 30 in der Bundesstadt schon rasend schnell.