Über hundert Millionäre und Milliardäre rufen «Tax me!» in die Welt hinaus: Der Staat soll mehr Steuern von ihnen verlangen. Sind diese Leute normal? Was bringt sie dazu?

Da sind mal die üblichen Verdächtigen, die bekannt sind für entsprechende Medienauftritte, etwa Abigail Disney aus der Disney-Konzern-Erbfolge oder die österreichische Studentin Marlene Engelhorn aus der mit BASF verbundenen Familie. Bringt Glamour.

Auch dem britischen Linksaktivisten-Think-Tank Oxfam, der den jüngsten Schrei der Reichen nach dem Fiskus jetzt veröffentlicht. Immer zur WEF-Zeit im Januar kommt Oxfam mit Sozio-Panik-Studien über die Kluft zwischen Arm und Reich. In der Pandemie habe sich das Vermögen der Reichsten verdoppelt, die Zahl der ganz Armen zugenommen.

Da erscheinen die gut hundert Reichen, die jetzt dem Staat mehr von ihrem Geld aufdrängen wollen, fast als Retter, als Heilige, die ihren fairen Beitrag leisten wollen an die Gemeinschaft.

Wirklich? Sie könnten sich doch in der Politik abrackern für die Einführung einer Vermögenssteuer, die sie ja so herbeisehnen. Wäre mühsam. Oder sie könnten ihr Geld wohltätig investieren. Zu wenig spektakulär. Oder sie könnten in die Schweiz ziehen, wo es schon eine Vermögenssteuer gibt. Wäre teuer.

Nein, lieber die Oxfam-Bühne. Die Reichen wissen ja, dass ihr öffentlicher Schrei nach Besteuerung politisch folgenlos ist, also ungefährlich für ihr Vermögen. Kein Wunder, dass primär Amerikaner und Deutsche auf der Liste «In Tax we trust» (Staatsreligion?) stehen. Keine Schweizer, denn die zahlen Vermögenssteuer.

Für Amis und Deutsche rentiert es: Mit dem lauten Ruf nach dem strengen Fiskus schmeicheln sie sich bei den Leuten und dem Staat ein und bringen Oxfam zudem öffentliche Aufmerksamkeit; das ist kostbarer Treibstoff für eine Organisation, die von Spenden und damit von Show, Emotionen, Spektakel und Krawall lebt – alles Gold wert.

Und das Beste: Alles steuerfrei!