Und er schreit's ihm tapfer ins Gesicht
«Dein Gas, Putin, das begehr ich nicht.»

So oder ähnlich hätte es wohl der mutige Ritter Delorges aus Schillers Gedicht «Der Handschuh» formuliert. Derzeit marschiert er forsch durch die deutsche Russland-Politik. Um dem Kreml-Despoten keine Devisen mehr zu geben, rufen wackere Aussen- und sogar Wirtschaftspolitiker zum freiwilligen Total-Boykott von Putins Blut-Gas.

Das ist sehr später Heldenmut. Oft sind es dieselben Leute, die bisher die Kanzlerin a.D. und ihre russophilen Koalitionspartner von der SPD gewähren liessen, als die Energie-Abhängigkeit von Russland immer weiter ausgebaut wurde. Und jetzt wollen sie (frei nach Luther) mit des kleinen Mannes Arsch durchs Feuer reiten, bis der letzte Ofen aus ist.

Erst aus allen autarken Energien aussteigen und dann auf den Rest patriotisch verzichten. Es ist eine weitere Kreml-Rechnung, die aufgeht: Der Westen will nicht kämpfen, er will nicht leiden, ist stolz auf Transgender-Soldaten und feministische Aussenpolitik, hat seine weltfremden Flausen geföhnt und möchte jetzt mit einem Putzlappen die Monster stoppen, die er schuf.

Und Putin grinst sich eins und kommt uns am Gashahn zuvor. Ach ja, und Holzöfen (Feinstaub!) wollten die Grünen bis eben auch noch verbieten.

Der Autor ist Leiter der Parlamentsredaktion der Bild-Zeitung.