Der Dschungel der Bürokratie ist in der Schweiz oft derart dicht, dass es selbst an einem sonnigen Julitag in den Amtsstuben stockdunkel sein kann. Nun ist aber plötzlich alles ganz anders. Seit wir – eine vierköpfige Familie in der Zürcher Vorortsgemeinde Maur – die ukrainischen Verwandten meiner Frau (Cousine Olga, Ehemann Anatoli, die Kinder Mischa und Mascha sowie Kätzchen Oliva) aufgenommen haben, spüren wir eine Solidarität, die nicht vorstellbar gewesen ist.

Die achtjährige Tochter Mascha geht seit vergangener Woche in die dritte Klasse der lokalen Primarschule und hat – gemäss eigenen Aussagen – «schon acht neue Freundinnen» gefunden. Ausserdem darf sie am regionalen Leistungszentrum für Sportgymnastik mittrainieren. Bereits hat sich Marianne Hodel, die Athletinnen-Betreuerin Spitzensport des Zürcher Turnverbands, bei uns gemeldet und sich dafür bedankt, dass wir Mascha zu ihr geschickt haben: «Sie ist wirklich talentiert.»

Für den 17-jährigen Mischa zeichnet sich eine Lösung an der Kantonsschule Enge in einer Immersionsklasse ab. Am Montag kann er sich bei Rektor Moritz Spillmann vorstellen. Mutter Olga hat eine Anstellung als Vermittlerin der Solidaritätsaktion beim schweizerischen Textilunternehmen Tally Weijl in Aussicht. Und für Vater Anatoli, der normalerweise als Lastwagenchauffeur in ganz Europa unterwegs ist, müsste sicher eher früher als später ebenfalls eine Anstellung finden lassen. Denn in kaum einer Berufsgattung ist der Personalbedarf grösser als im Transportbereich.

Überwältigend ist auch die Effizienz der Sozialbehörde der Gemeinde Maur. Es brauchte keine 48 Stunden, bis für unsere Gäste eine Wohnung gefunden wurde. Die Möbelbestellung bei Ikea ist bereits aufgegeben. So können unsere Temporär-Gäste wohl bereits nächste Woche in ihre eigene Unterkunft zügeln.

Offen bleibt einzig, ob Kätzchen Oliva auch mitgeht. Denn selbst unser Kater Findus entwickelt ein Solidaritätsverständnis, das wir ihm nie und nimmer zugetraut hätten.