Deutscher Michel, mir graut’s vor dir! Noch ist nicht ganz klar, ob der russische Überfall auf die Ukraine der Tragödie erster oder schon fortgesetzter Teil ist. Immer deutlicher wird allerdings, dass die verbalen Fäuste, die hierzulande auf den Putz hauen, auch manchem mephistophelischen Falschmünzer gehören.

Eben noch Heisshunger auf Sputnik, jetzt ukrainische Soljanka ganz oben auf der Speisekarte. Endlich einmal als Deutscher auf der richtigen Seite stehen und den Part des Erzbösen nicht selbst übernehmen müssen.

Klar, die Geschäfte von Gazprom-Gerd sind nicht appetitlich und gänzlich ungeniessbar geworden. Nur wird die Weltlage um keinen Deut besser, wenn unser Mütchen sich am Kanzler kühlt.

Erwachsene Menschen posten Videos, in denen ein Köter aufs Putin-Foto scheisst. Die Generation Zivi fordert mehr Wehrkraft. Der Corona-Spaziergang wird polizeilich zerstreut, während 250.000 für den Ukraine-Frieden völlig zu Recht die Masken fallen lassen.

Für die richtige Sache heuchelt sich’s noch mal so gut. Die Wahrheit ist: Die zaghafte Russland-Politik, deren blutige Früchte wir jetzt ernten, entstammt der Rücksicht auf genau die in Appeasement verliebte Gesellschaft, die jetzt den moralischen Luftkampf führt. Und wie immer schreien die besonders laut, die über Macht, Verteidigung und nationale Interessen heute erst lernen, was viele schon lange wussten.

Merke: Selbst denken in der Zeit erspart die Herde in der Not.