Landauf, landab wird die Quarantänepflicht gelockert. Epidemiologe Marcel Salathé kann es sich sogar vorstellen, die umstrittene Massnahme ganz abzuschaffen. In dieses Tauwetter kommt eine Meldung, die Eltern und Kinder frösteln lässt. Die Bundesbehörden empfehlen den Kantonen, die Skilager abzusagen – und damit zum zweiten Mal nacheinander eines der wichtigsten sozialen und sportlichen Integrationsmittel der Pandemie zu opfern.

Ole Rauch, Geschäftsführer des grössten Skilagerorganisators Schneesportinitiative Schweiz, macht gute Miene zum bösen Spiel: «Immerhin wissen die Lehrer, woran sie sind. Sie können auf das ‹Nein› der Kantone verweisen und klar kommunizieren.»

Die Geprellten sind die Kinder und Jugendlichen, die immer wieder angehalten werden, mehr Zeit im Freien zu verbringen – und viele Eltern, die in diesen schwierigen Zeiten froh gewesen wären, ihrem Nachwuchs Abwechslung zu gönnen und sich selber etwas Freizeit. Doch daraus wird nichts. Bereits jetzt sind von dem im Januar geplanten 103 Lagern 77 abgesagt. Und es werden weitere dazukommen.

Denn im Kampf gegen das Corona-Virus gilt weiterhin die behördliche Ansicht: Wenn man das Leben drosselt, reduziert man das Risiko. Dass erneut die Jugend dafür bezahlt, scheint in Bern niemanden zu interessieren.