In Saudi-Arabien gibt es – natürlich – keine Miss-Wahlen. Doch die Wüstensöhne haben einen Ersatz. Sie küren die schönsten Kamele.

Vierzig Tage dauert der Wettbewerb. Die besten Chancen auf den ersten Platz haben Kamele mit einem grossen Kopf, hängenden Lippen, dicken und gut sichtbaren Wimpern, langen Beinen sowie einem langen, eleganten Nacken. Wichtig sind zudem ein schnelles Lauftempo und eine grosse Libido.

Wer es mit seinem Tier auf den ersten Platz schafft, erhält nicht nur eine Trophäe und umgerechnet rund sechzig Millionen Franken. Die Besitzer siegreicher Kamele können die Tiere teuer verkaufen. Für die schönsten werden auf Auktionen zwei Millionen Franken geboten, manchmal auch etwas mehr.

Weil ein Klasse-Kamel nicht nur mehr Ehre für den Besitzer bedeutet, sondern auch seinen Reichtum mehrt, versuchen einige, ihrem Glück – respektive dem Aussehen ihrer Tiere – etwas nachzuhelfen.

Um die Chancen auf einen Sieg zu verbessern, hübschen sie es mit künstlichen Mitteln auf. Sie vergrössern die Lippen der Kamele mit Botox-Spritzen oder verpassen den Kamelen mit Gel-Implantaten ein sportliches Auftreten.

Auch Steroide werden benutzt oder Füllstoffe zur Entspannung der Gesichter eingesetzt.

Jetzt hat Saudi-Arabien seinen Skandal. Schummeleien bei der traditionsreichen Konkurrenz gehen gar nicht, empören sich die Mitglieder der Jury. Sie haben die «grösste Razzia» (Al Jazeera) in der Geschichte der Schönheitskonkurrenz für Kamele angeordnet.

Bisher wurden mindestens 43 «gedopte» Kamele  vom Wettbewerb ausgeschlossen. Mehr als das: Kamelhalter, die bei der Schönheits-Manipulation erwischt wurden, müssen happige Strafen bezahlen.

Je nach Vergehen sind sie unterschiedlich hoch. Bussen für das Einspritzen von Füllstoffen, Botox oder Hormonen betragen rund 27.000 Franken, und das Flechten, Abschneiden des Schwanzes oder das Färben des Kamels wird mit einer Strafe von 8000 Franken belegt.