Es ist fast unheimlich, wie rasch ein Teil der russischen Wirtschaft unter der Wirkung der westlichen Sanktionen gegen Personen, Güter sowie Zahlungs- und Finanzinformationssystem einbricht. Die Moskauer Börse bleibt nach dem vorherigen Kurseinbruch auf etwa die Hälfte und leichter Erholung nun geschlossen. Die Werte sind für normale Anleger praktisch blockiert. An ausländischen Börsen wurde der Handel mit russischen Titeln weitgehend eingestellt, Fonds mit russischen Werten erfuhren weitere massive Einbrüche.

Für den russischen Staat wurden die Währungsreserven mehr oder weniger nutzlos, da sie nicht mehr getauscht werden können. Der Rubel verlor gegenüber dem Dollar massiv an Wert, die russische Notenbank versucht sich dagegenzustemmen mit der Erhöhung des Leitzinses auf 20 Prozent. Marktbeobachter rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts von vielleicht einem Fünftel.

Der Westen wirkt stark. Die amerikanischen und europäischen Märkte lassen sich wenig anmerken. Es leiden vor allem die gegenüber Russland exponierten globalen Banken. Russland kann dem Gegnerlager wirtschaftlich nicht gross weh tun, die Verschuldung ist gering, der Aussenhandel fällt für den Westen insgesamt nicht stark ins Gewicht. Ausgenommen an einer Stelle, an der der Westen verletzlich ist: Europa hängt an russischen Erdgaslieferungen, zum Teil auch am Erdöl. Aber im Gegenzug hängt Russland am Geld für diese Lieferungen, und der Westen hat es in der Hand, das Zahlungsinformationssystem dafür offen zu lassen oder zu schliessen.

Diese Wirkungen können dazu führen, dass sich Europas Politiker mächtiger fühlen, als sie es langfristig sind.