Das war kein Blitzkrieg in der Ukraine. Der hätte bedeutet: Kiew umzingelt, der militärische Widerstand niedergeschlagen, die Regierung zu Verhandlungen bereit. Und zwar innert 72 Stunden.

Doch der Widerstand ist ungebrochen, russische Soldaten sterben, und die ganze Welt macht gegen Moskau mobil. Warum sollte Kiew verhandeln? Statt Blitzkrieg droht Sitzkrieg. Als militärisch-technische Operation mit obendrein minimalem Blutverlust ist die Ukraine-Kampagne gescheitert.

Hat Putin schlechte Berater, oder glaubt er ihnen nicht? Hat er ernsthaft gedacht, mit weniger als 100.000 Mann zwingt er die Ukraine auf die Knie? Dabei waren die drei Tage seine einzige Chance. Nur ein erfolgreicher Blitzkrieg hätte ihm Gelegenheit gegeben, Kiew und der Nato seine Bedingungen zu diktieren.

Im Ergebnis machen beide Seiten die Schotten dicht, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf Wirtschaft, Sport, Kultur und Zivilgesellschaft. Europa steht vor einer politischen Eiszeit, einer klassischen Lose-lose-Situation. In dieser Lage gewinnt Neutralität, vermeintlich schon irrelevant, wieder an Bedeutung.

Die Schweiz und Österreich dürfen sich von neuem als Schauplätze des west-östlichen Dialogs bewähren.