Die Landi-Tankstelle im zürcherischen Riedikon ist am Samstag noch eine Oase der Glückseligkeit für die Autofahrer. Ein Liter Benzin kostet 1.92 Franken – und damit neun Rappen weniger als bei der Konkurrenz eingangs Uster. Beim Bezahlen sagt die Landi-Verkäuferin im Flüsterton: «Ich empfehle allen, dass sie heute noch volltanken. Morgen müssen wir die Preise ebenfalls erhöhen.»

Grund für die explodierenden Kosten an der Zapfsäule ist ein Mix aus dem Ukraine-Konflikt, dem nach Corona stark gewachsenen Rohstoffbedarf in den USA und Spekulationen an den Erdölmärkten.

Daran dürfte sich kurzfristig nichts ändern, so die schweizerische Erdölvereinigung Avenergy. Die Abhängigkeit von Russland zeigt sich auch beim Gas. Nach dem deutschen Stopp für die Gaspipeline Nord Stream 2 droht Russland mit rasant steigenden Gaspreisen in Europa. Die Schweiz deckt 13 bis 15 Prozent ihrer gesamten Energieversorgung mit Gasprodukten. Fast die Hälfte kommt aus Russland.

Privatkonsumenten und Industrie müssen mit höheren Preisen rechnen. Auch die Stromkonsumenten werden die höheren Gaspreise zu spüren bekommen. Denn die Schweiz bezieht Strom aus der EU, vor allem aus Deutschland. Und dort wird russisches Gas in Kraftwerken zu Strom umgewandelt.

Noch beklagen wir uns in der Schweiz aber auf vergleichsweise hohem Niveau. Wesentlich dramatischer präsentiert sich die Lage in Serbien. Dort ist der tägliche Bezug von Benzin pro Einwohner auf zehn Liter rationiert worden.