Billie Eilish (20), Popsängerin, Idol aller Pubertierenden in der «Ihr versteht mich nicht»-Phase, grandios erfolgreich, grossartig neurotisch, hat kurz vor ihrem 20. Geburtstag in einem Interview auf ihre langjährige Pornosucht hingewiesen. Tja, Billie, herzlich willkommen bei den Erwachsenen. Und in der Männerwelt auch.

Ihr Pornokonsum ab dem 12. Lebensjahr hätte ihr Hirn zerstört, sie unfähig gemacht für Beziehungen. Damals, als sie gerade angefangen habe, ein bisschen zur Frau zu werden, hätte sie nicht begriffen, dass Pornos gucken so eine üble Sache sei, dass da Frauen entwürdigt würden. Nö, nö, sie fand das einfach cool, auch so als Ausdruck einer Widerstandshaltung, weil so viele kleingeistige Menschen sagten, Porno sei «bad» und «fucked up».

Wir wissen nicht, was Billie sich da reingezogen hat, in welche Kategorie sie die einsame temporäre Erleichterung ihres Triebes einfliessen liess; ob Masturbation, Lesbian oder Straight oder Kink oder sonst was. Es ist auch fucking egal. Dass zu viele Pornos einsam machen, den Saft des Lebens austrocknen und so weiter, ist ebenso keine Frage wie die Tatsache, dass ein Leben ohne Pornos auch nicht grad geil ist.

Pornographie, die glaube ich immer noch als Kulturgut zählt und die es gibt, seit Menschen einigermassen zeichnen können, ist, so könnte man sagen, das, was man aus ihr macht; Inspiration oder Inferno. Sie ist kein Teufel, keine Heilige, aber immer auf eine angenehme Art noch schmutziger als man selbst.

Unnötig zu sagen auch, dass Pornos nichts für kleine Mädchen und Buben sind, und dass es böse enden kann, wenn auch nicht muss, wenn all das Gestöhne und Gefummle gleich nach der Youtube-Kids-Phase kommt. Auch klar, auf der anderen Seite, dass Pornographie schon immer ein Bestandteil der Adoleszenzphase war.

Wohl wissen die ganz am Anfang ihrer Pubertät Stehenden nicht ganz genau, was sie tun, wenn sie sich in ihren Kinderzimmern auf die Pornsites beamen, aber da sollten doch auch Eltern sein, die diesbezüglich ein bisschen mehr Ahnung an den Tag legen, und vielleicht auch eine Gesellschaft, die in sich selbst weniger pornographisch ist.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Frühreife von Kindern stellt sich natürlich die Frage, ob wir Erwachsenen und Eltern es lieber sähen, wenn Elfjährige nicht Pornos schauen, sondern miteinander ins Bett gehen. Weil ja leibhaftiger Sex immer noch die beste Art ist, den Pornokonsum zu reduzieren. Vermutlich ist das aber keine besonders gute Idee.

Damit erübrigt sich der erneute Hinweis darauf, dass wir in einer Welt leben, die immer mehr zu Porno geworden ist, in der jeder nur noch mit sich selber rumspielt.