Es ist schon eigenartig, wie schnell Bundesrätinnen die EU-Rhetorik verinnerlichen, sobald man sie zur Minister-Tafel einlädt und ihnen ein wenig Honig ums Maul streicht.

Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP) nahm vergangene Woche an einem Treffen und Nachtessen mit den 27 Innenministern der EU-Staaten im französischen Lille teil.

Davor durfte sie mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron ein paar Worte tauschen. Er soll ihr bei dieser Gelegenheit versprochen haben, die Schweiz erhalte einen Platz im neuen Schengen-Rat der EU. Das ist ein Gremium, von Macron lanciert, welches sich des Themas Migration in Zukunft annehmen soll.

Nach ihrer Rückkehr wurde Keller-Sutter bei einem Interview mit CH-Media-Zeitungen unter anderem gefragt, was geschehe, sollte die Schweiz die Erhöhung des Beitrages für die europäische Grenzschutzpolizei Frontex an der Urne ablehnen. Was gut möglich ist.

Denn die Sozialisten und Grünen haben gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen gegen die geplanten zusätzlichen Millionen für diese Truppe, welche Asylsuchende abwehren soll, das Referendum ergriffen. Ein Nein zu Frontex würde einen Ausschluss von Schengen zur Folge haben, gab Keller-Sutter zu verstehen. So weit, so gut.

Zu denken gibt einem aber, dass sie auf Nachfrage einen unpassenden und bedenklichen Vergleich heranzog, um die von der EU beziehungsweise den Schengen-Staaten angedrohten Konsequenzen bei einem Nein zu entschuldigen und zu rechtfertigen.

«Man stelle sich vor», sagt sie, «in der Schweiz hätte man ein Polizeisystem, an dem sich 25 Kantone beteiligen, und ein Kanton sagt nein. Würde man das akzeptieren?»

Meint sie das tatsächlich im Ernst? Haben wir uns der EU schon unterworfen? Nein, Frau Keller-Sutter, wir sind kein Kanton der Europäischen Union. Wir sind ein souveräner Staat.