Ehemals geächtete Rüstungsaktien erleben einen Boom, Aktien konventioneller Energieversorger eine Renaissance. Der Megatrend nachhaltige Anlage landet auf dem Boden neuer Tatsachen.

Schon fragen die ersten Investoren: Ist Landesverteidigung nicht ein besonders nachhaltiges Investment?

An den Märkten sieht es jedenfalls so aus, als sei Klimawandel, Diversität und Nachhaltigkeit gestern gewesen, Sprit und Panzer sind es heute. Passiert ist eine «Zeitenwende», in Europa erfordert der russische Einmarsch in die Ukraine ein neues Sicherheitsdenken. Das bedeutet insbesondere für Deutschland eine Kehrtwende in der Verteidigungspolitik und in der Energieversorgung.

Der Nachhaltigkeitsboom, der die Börsen zuletzt dominierte, wird damit auf eine harte Probe gestellt: Neben «dreckigen» Energieaktien waren bislang besonders Rüstungsaktien verpönt. Vertreter der Rüstungsindustrie selbst berichten, dass sie bisher Schwierigkeiten hatten, Kredite zu erhalten, da Banken Environmental Social Governance-Bedenken (kurz: ESG-Bedenken) hatten.

Der Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall, Armin Papperger, sagte noch im Januar, dass sein Unternehmen von der Landesbank Baden-Württemberg und der Bayern-LB aufgrund ihrer ESG-Bedenken von der Kreditvergabe ausgeschlossen worden sei. Nun erlebt ausgerechnet diese Anlageklasse ihr Comeback – und liefert Argumente, als investitionswürdig in die ESG-Kriterien aufgenommen zu werden.

Nach Ansicht der BDSV jedenfalls, des Interessenverbands der deutschen Rüstungsindustrie, ist der Einmarsch Russlands in die Ukraine von grosser Bedeutung für die Frage der sozialen Nachhaltigkeit in Europa. «Der Einmarsch zeigt, wie wichtig eine starke Landesverteidigung ist», sagt Hans Christoph Atzpodien, Leiter der BDSV. «Ich appelliere an die EU, die Rüstungsindustrie als positiven Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit im Rahmen der ESG-Taxonomie anzuerkennen.»

Klar wird: Das grosse Umdenken hat auch an den Märkten eingesetzt, schliesslich will niemand, dass alte Moral und neue Rendite weiter auseinanderdriften.