Ein Blick in die Arbeitsmarktstatistik zeigt bei Personen aus Bulgarien eine Januar-Arbeitslosenquote von 13,9 Prozent, bei den Rumänen von 9,9 Prozent oder den Slowaken von 7,0 Prozent. Unter den Schweizern waren derweil nur 1,8 Prozent als arbeitslos gemeldet.

Sind dies eventuell typisch hohe Winter-Werte, weil man in dieser Zeit schlecht draussen arbeiten kann?

Offenbar nicht, im Jahresdurchschnitt 2021 machte die Arbeitslosenquote der Bulgaren auch schon 12,5 Prozent aus, die der Rumänen 9,8 Prozent und jene der Slowenen 7,6 Prozent. Der Schweizer Wert liegt bei 2,1 Prozent.

Seit Frühsommer 2019 gilt die volle Personenfreizügigkeit auch für Arbeitnehmer aus den erwähnten Ländern, vorher bestand eine Ventilklausel. So ist der Zuzug in die Schweiz nun einzig an die Bedingung geknüpft, die Person müsse «über ausreichende finanzielle Mittel verfügen». Wenn sie eine Stelle findet, erhält sie nach einer Frist den Anspruch auf Arbeitslosentaggeld für den Fall, dass sie die Stelle verliert. Bei Geringqualifizierten ist das Risiko vergleichsweise hoch, dass sie einen Job antreten, es dann jedoch an Eignung mangelt und sie dann erwerbslos werden.

Wäre eine Prävention der Arbeitslosigkeit bei Einwanderern aus diesen Ländern möglich, indem man bestimmte Qualifikationen fordert?

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) dazu: «Die Personenfreizügigkeit bedingt eine Koordination des Arbeitslosenversicherungsrechts, damit mobile Arbeitskräfte aus EU/EFTA-Staaten den bestehenden Schutz aus dem Herkunftsland mit der Auswanderung nicht verlieren und im Aufnahmeland einen gleichwertigen Schutz vor Arbeitslosigkeit geniessen wie die ansässige Wohnbevölkerung. Die Arbeitslosenversicherung hat keine speziellen präventiven Massnahmen für Personen aus Bulgarien oder Rumänien.» Gleich tönt es beim Kanton Zürich.

Die Attraktivität der Schweiz als Lebens- und Wirtschaftsraum baut auf arbeitsmarktliche «Fitness» zur längerfristigen Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Doch es gelingt bestimmten Gruppen besser als anderen, über eine erste Anstellung ins Land zu kommen und dann nach Job-Verlust in den sozialpolitischen Kreislauf einzutreten.