Die Steigerung der «Arena» des Schweizer Fernsehens ist der «Club». Spielen die Organisatoren des wöchentlichen Freitagabend-Ärgernisses dem verbliebenen Publikum noch so etwas wie Debatte vor, so amtet Barbara Lüthi am Dienstagabend jeweils mit schneidender Stimme als Scharfrichterin, welche exakt jene Jury zusammenstellt, die ihr recht gibt. Am letzten Tag des ohnehin trüben November fand sie es angezeigt, während geschlagener achtzig Minuten den Sender zur Propaganda für eine Impf-Pflicht (gegen Corona) zu nutzen.

Als Sekundanten hat sie drei Anbeter der Staatsallmacht und mithin Verächter der individuellen Rechte aufgeboten: den SP-Mann Fabian Molina (Ex-Juso), den dem grossen Kosmopolitischen zugewandten Politphilosophen Francis Cheneval von der Universität Zürich und Sanija Ameti, Co-Präsidentin der merkwürdigen Organisation Libero, die bekanntlich mit Fussball-Defensivtaktik oder auch mit «freiem Menschsein» nichts zu tun hat. Das Trio überbot sich nicht allein in der Feier des autoritären, mit Vollmachten durchregierenden Staates, sondern identifizierte zum Teil die Minderheit der ungeimpften Menschen als widerliche, egoistische Schädlinge und Volksfeinde.

Diesen Takt gab Jus-Studentin Ameti vor, in ihrer gespreizt präsentierten Naseweisheit eine begnadete Antipathie-Trägerin. Sie zählte all die negativen Effekte der Corona-Massnahmen auf: wirtschaftliche Schäden, Burnouts, Schulschliessungen, Lockdowns und Tote. Um dann zu behaupten, schuld daran seien «massgeblich die Ungeimpften», die entsprechend zur Verantwortung gezogen werden müssten.

Die Schuldzuweisung ist, wie man nach den Tausenden von Impf-Durchbrüchen weiss, die zu Todesfällen, Hospitalisierungen oder Quarantänen geführt haben, nachweislich falsch. Vor allem repetiert Ameti exakt die verhängnisvolle mittelalterliche «Brunnenvergifter»-These, mit der die Minderheit der Juden verantwortlich gemacht wurde für die Verbreitung von Seuchen, insbesondere der Pest, und grausamst verfolgt wurde. Die Operation Libero, welche die Schweiz ja unter das Kommando der EU stellen will, entpuppt sich als diskriminierender Kampfverbund, der sich ungeniert faschistoider Stereotypen bedient. TV-Richterin Lüthi widersprach nicht.

Unterstützt wurde die Gesellschafts-Spalterin durch Francis Cheneval, der den Zürcher Lehrstuhl für Politische Philosophie beschwert, obwohl seine Habilitation von einem liberalen und wesentlich profilierteren Kollegen öffentlich verrissen und sogar mit einem Plagiatsvorwurf eingedeckt wurde (Professor Otfried Höffe in der Süddeutschen Zeitung vom 27.12.2003). Im «Club» konnte Cheneval, von Lüthi peinlich-aufmunternd angelächelt, seiner Liebe zum peitschenden paternalistischen Staat und seiner Verachtung des freien Individuums und von dessen Grundrechten ungebremsten Lauf lassen: «Die politische Autorität auferlegt den Bürgern Pflichten. Ja, es gibt eine Impf-Pflicht. Das ist die Raison d'être des Staates, dann einzugreifen, wenn gewisse öffentliche Güter mit Freiwilligkeit nicht beizubringen sind. Dann kommt der Staat ins Spiel, der mit Zwang eingreift.» Impf-Unwillige, so skizzierte der Uni-Lehrer die Umsetzung der behördlichen Pression, sollten nicht einfach mit Bussen bestraft, sondern müssten zu Hause eingeschlossen werden, «damit solche Leute keine Gefahr mehr darstellen».

Dass am Schluss der SP-Linksaussen Fabian Molina, der als erster nationaler Parlamentarier die allgemeine Impf-Pflicht gefordert hatte, die schlimmsten menschenverachtenden Voten seiner Mitstreiter abfederte, gegen das von Ameti und Cheneval geforderte bundesrätliche Vollmachten-Regime eintrat und für eine breite Debatte und solide gesetzliche Grundlage allfälliger Zwangsmassnahmen plädierte, beweist, wie weit die politischen Koordinaten im Land bereits verschoben sind. Wer die Grundrechte des Individuums und dessen Unversehrtheit schützt und den Bürger nicht als blosse Spielfigur der Obrigkeit versteht, kommt im «Club» kaum zu Wort. Und in der Schweiz wohl bald auch nicht mehr.