Eben sind sie in der Ukraine angekommen: 1000 Panzerfäuste und 500 Boden-Luft-Raketen aus dem Bestand der deutschen Bundeswehr. Die eine, die Panzerfaust, wiegt 13 Kilo und zerstört Ziele in bis zu 400 Metern Entfernung. Die andere, die Rakete, hört auf den Namen «Stinger», was so viel wie «Stachel» heisst, und sie gehört zu den Fire-and-forget-Waffen. Das sind solche, die einmal abgeschossen ihr Ziel selbständig finden.

Wenn jede dieser Waffen einen Menschen tötet, gibt es damit 1500 Tote mehr im aussichtslosen Krieg in der Ukraine. Die Lieferung trägt dazu bei, dass sich das Töten ein paar Stunden oder ein paar Tage länger hinzieht. Der heldenhafte Kampf der Ukrainer für ihr Land und für Werte, die wir im Westen vertreten wollen – er wird dadurch länger dauern und blutiger sein. Aber er ist deswegen nicht aussichtsreicher.

Die Kehrtwende in der deutschen Politik seit dem Wochenende, die dazu geführt hat, dass diese Waffen jetzt angekommen sind, kam zu spät und bewirkt jetzt das Gegenteil von dem, was gewollt ist. Sie kam auf verzweifelte Forderungen der Ukraine und auf höchstem Druck von EU und Nato zustande. Und sie schien moralisch geboten. Doch Druck, Verzweiflung und Moral sind keine klugen Ratgeber in der Politik.

Auch im heissen Krieg braucht es kühle Köpfe. Sie wissen: Die Kriegsgefahr ist immer dann am grössten, wenn Aggressoren nichts zu befürchten haben. Sie liefern Waffen, die dem Gegner zeigen, dass reden besser ist als schiessen. Genau das hat Deutschland im Fall der Ukraine seit Monaten versäumt. Während Kurden sich mit deutschen Waffen gegen den IS rüsten durften, erhielten die Ukrainer nicht mal einen Schuss Munition vom möglicherweise freiheitsliebenden, aber ganz sicher reichsten Land der EU. Dieser Fehler lässt sich nicht wiedergutmachen. Mit Waffenlieferungen, die zu spät kommen, schon gar nicht.