Skifahren auf extremem Schwierigkeitsgrad. Was Kitzbühel für die Abfahrer ist Adelboden für die Riesenslalom-Cracks. Wer am Chuenisbärgli über die letzte Kuppe fährt, stürzt den fast senkrechten Zielhang hinunter – und einem rot-weissen Fahnenmeer entgegen. Hier gewinnen nur die Besten der Besten – der Österreicher Marcel Hirscher in den 2010er Jahren viermal (dazu fünfmal den Slalom), die schwedische Skisportlegende Ingemar Stenmark zwischen 1979 und 1984 fünfmal.

Doch nun ist ein Schweizer das Mass aller Dinge – Marco Odermatt. Was der 24-jährige Nidwaldner am Samstag auf die knüppelharte Piste zaubert, ist schlicht phänomenal. Und die Art und Weise, wie der Führende nach dem ersten Lauf mit dem Druck umgeht und mit der perfekt dosierten Fahrt den entfesselten Österreicher Manuel Feller auf Distanz hält, zeugt von einer Klasse, wie sie der Schweizer Männerskisport seit Pirmin Zurbriggen in den goldenen 1980er Jahren nicht mehr erlebt hat.

Zum ersten Mal seit vierzehn Jahren (und Marc Berthod) gewinnt ein Schweizer das Heimrennen im Berner Oberland. Und wer Odermatt in dieser Saison beim Skifahren zuschaut, kann im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking nur zu einem Schluss kommen: Schlagen kann diesen Ausnahmesportler derzeit kein Konkurrent – oder höchstens ein positiver Covid-Test.