Es war am Montagnachmittag, als sich ein entrüsteter Kunde von Migros Fitness bei der Weltwoche meldete. Der Mann, der seinen Namen nicht in diesen Spalten lesen will, echauffierte sich, weil er bei der Filiale Stockerhof in Zürich trotz Impfzertifikat vor dem Wellness-Bereich abgewiesen wurde. Begründung: «Hier gilt ‹2 G plus›. Eintritt erhält nur, wer einen negativen Test oder eine Booster-Impfbescheinigung vorweisen kann, die nicht älter als vier Monate ist.»

Die Krux an der Sache: Weil der Migros-Kunde vor weniger als sechs Monaten die zweite Impfung erhalten hatte, wartet er noch auf den Booster. Und kurzfristig einen Testtermin in der Zürcher Innenstadt zu erhalten, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Was als Lappalie oder Einzelfall abgetan werden könnte, zeigt in Tat und Wahrheit die Schwäche des Schweizer Wegs durch den zweiten Pandemie-Winter. Durch die 2-G-plus-Regel wird die Bedeutung des Impfzertifikats massiv abgewertet. Und geht es in derselben Kadenz weiter, heisst dies nichts anderes, als dass man sich alle vier Monate impfen lassen muss – will man uneingeschränkt am öffentlichen Leben teilhaben.

Beim besagten Migros-Kunden führt dies allerdings zu einem Rückzieher: «Ich sehe nicht ein, weshalb ich die Booster-Impfung überhaupt noch beziehen soll – wenn sie ohnehin nur vier Monate Gültigkeit hat.» Mit anderen Worten: Das BAG tut gut daran, über die Bücher zu gehen. Denn mit der Willkür seiner Massnahmen stösst es nicht zuletzt jene Menschen vor den Kopf, die bisher den behördlichen Weg stillschweigend mitgetragen haben.

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