Nein, nicht die Sanktionen, der Zerfall der Landeswährung, die Wassernot, die Arbeitslosigkeit oder die Armut stehen derzeit im Fokus der Hardliner im iranischen Parlament. Sie bereiten einen Dschihad gegen Haustiere vor. Dutzende von Abgeordneten wollen den Handel oder die Aufzucht von Katzen, Hunden und Schildkröten verbieten.

Die Begründung: Die Vierbeiner «stellen eine Gefahr fürs iranische Volk dar». Wer sich nicht ans Verbot halten wird, hat mit einer prohibitiv hohen Busse zu rechnen. Sie soll laut Gesetzesentwurf zwischen 1300 und 4000 Dollar betragen. Das sind zehn bis dreissig Male eines monatlichen Mindestlohnes.

Dass Tier-Liebhaber gegen das neue Gesetz Sturm laufen, ist verständlich. Aber auch Inhaber von Kliniken, die sich auf lukrative Schönheitsoperationen für Haustiere spezialisiert haben, wehren sich gegen die Kriminalisierung der Haustiere.

Weil im Iran eine herzige Mieze oder ein rassiger Hund als Statussymbol gelten, investieren Herrchen oder Frauchen gerne in aufwendige Operationen. Zu den favorisierten chirurgischen Eingriffen bei Katzen gehören Ohren kupieren, Schwanz verkürzen oder Bauchfett abschneiden.

Beliebt sind bei Hunden Augenlidstraffung und Kieferorthopädie sowie Behandlungsverfahren, bei denen Gewebe aus den Stimmbändern entfernt wird, damit Hunde nicht mehr so laut bellen.

Im Land, in dem Menschenrechte mit Füssen getreten werden, macht sich eine Forschergruppe der Universität Teheran seit Jahren für den Tierschutz stark. Sie lehnt Eingriffe wie das Entfernen der Stimmbänder ab. Mit der Begründung, das sei irreversibel.