Man reibt sich am Sonntagmorgen verwundert die Augen. Das Unvorstellbare geschieht: Auf den olympischen Skipisten von Yanqing fällt Schnee – Naturschnee. Und dies in rauen Mengen. Vor dem zweiten Lauf des Riesenslaloms müssen Pistenfahrzeuge und Helfer über einen halben Meter Neuschnee aus der Piste baggern. Vorübergehend steht die Verschiebung der Entscheidung auf Montag zur Debatte.

Einer lässt sich von den Umständen nicht beirren. Marco Odermatt. Schon im ersten Lauf hatte er alles riskiert, sich trotz eines groben Fahrfehlers im Mittelteil als Führender – vier Hundertstelsekunden vor dem Österreicher Stefan Brennsteiner – ins Ziel gerettet.

So nimmt er den zweiten Lauf auf der äusserst schwierigen Piste als Letzter in Angriff. Aufgrund des um über eine Stunde verschobenen Starts sind die Lichtverhältnisse nicht mehr optimal. Und der Slowene Zan Kranjec hat eine Marke gesetzt, an der einer nach dem anderen scheitert.

Nur noch Odermatt kann den Slowenen von der Spitze verdrängen. Und der Nidwaldner behält die Nerven. Er kommt ohne Fehler durch, bleibt 0,19 Sekunden vor Kranjec und gewinnt für Swiss-Ski die dritte Goldmedaille in Peking.

Und er reiht sich in eine illustre Liste ein: mit Roger Staub (1960), Heini Hemmi (1976), Max Julen (1984) und Carlo Janka (2010) hatten zuvor vier Schweizer im Riesenslalom Olympiagold geholt. Allein diese Namen zeigen: Marco Odermatt gehört schon mit 24 Jahren zu den ganz Grossen im Schweizer Skisport.