Es war nicht zum Aushalten – und tat schon beim Zuschauen weh. Kamila Walijewa, die noch vor wenigen Wochen die Europameisterschaft mit einer grandiosen Leistung gewonnen und die Herzen der Öffentlichkeit im Sturm erobert hatte, taumelte in der Kür des olympischen Eiskunstlauf-Wettbewerbs über die Eisfläche. Nach den Diskussionen um ihren positiven Dopingtest waren Eleganz und Leichtigkeit wie weggefegt.

Zu Maurice Ravels «Boléro» geriet die grazile Athletin schon beim Salchow aus der Balance, beim Axel griff sie mit der Hand aufs Eis, beim Toeloop fiel sie hin. Als das Programm zu Ende war, schlug sich Walijewa die Hände vors Gesicht und weinte hemmungslos.

Im Studio der ARD zeigte sich Katarina Witt, Olympiasiegerin von 1984 und 1988, schockiert: «Das tut mir leid, das ist eigentlich nicht zu ertragen. Man guckt da gar nicht, wer Erste, Zweite oder Dritte ist. Sie ist jetzt Vierte, aber das ist wirklich egal. Es ist eigentlich genau das eingetreten, wovor man sie hätte schützen müssen. Sie ist 15, sie ist ein Kind … Es tut mir leid … Du siehst sie da sitzen, wie sie zusammenbricht … Oh – könnt ihr das mal wegschalten?»

Witt, die ihre Grosserfolge für die DDR geholt und wohl ähnliche Druckmomente erlebt hatte, wischte sich Tränen aus den Augen.

Auch in der Schweiz reagiert die frühere Spitzenläuferin Sarah van Berkel betroffen: «Es handelt sich bei Kamila Walijewa um ein erst 15 Jahre altes Mädchen! Natürlich trägt man auch in diesem Alter eine gewisse Verantwortung, doch man muss seinem Team vertrauen können.»

Sie wünsche sich viel Unterstützung für Walijewa, «damit die Karriere dieser besonderen Athletin nicht schon zu Ende ist, bevor sie richtig angefangen hat».

Wer die Kür am Donnerstag verfolgt hat, schliesst sich diesem Wunsch an. Ohne Wenn und Aber. Doch es könnte ein frommer Wunsch bleiben. Denn in Peking wurde das 15-jährige Mädchen schmerzlich im Stich gelassen und unter den Augen der Weltöffentlichkeit zum Spielball auf einer der hässlichsten Bühnen des Sports.