Während eines Urlaubs in der Ukraine gelang es mir 2010, einen zweistündigen Flug mit einer kleinen Propellermaschine von Kiew nach Luhansk zu buchen, das neben Donezk eine der beiden grossen Städte im Osten des Donbass ist.

Es war nur einer von zwei Flügen pro Tag zum internationalen Flughafen von Luhansk, der jetzt verlassen und zerbombt ist.

Die Hotels in Luhansk waren nicht zu erreichen. Als mich mein russischer Taxifahrer vor einem grotesken sowjetischen Wohnblock absetzte, blieb mir nichts anderes übrig, als an Türen zu klopfen, bis ich eine Babuschka fand, die mir anbot, ein karges Zimmer für eine Woche zu einem lächerlich überhöhten Dollarpreis zu mieten.

Von hier aus erkundete ich mit Hilfe von zwei jungen Frauen, einem Führer und einem Übersetzer die Stadt. Russisch-orthodoxe Kirchen an einem Tag, Geschäfte am nächsten. Es folgten Besuche in Krankenhäusern und Waisenhäusern, die in deprimierendem Zustand waren.

Ein Abend, den ich mit Russen in einer Bowlingbahn verbrachte, war kaum erbaulicher. Luhansk war unbestreitbar russisch; eine gefühlte Million Meilen entfernt vom verwestlichten Kiew.

Als ich vorschlug, ein Viertel mit niedlich aussehenden Datschen zu besuchen, wurde mir gesagt, ich solle nicht dorthin gehen, weil ich von den dort lebenden Drogensüchtigen und Gangstern getötet werden würde. Ich ging trotzdem hin. Es erinnerte mich an einen Spaziergang durch Harlem, New York, in den 1970er Jahren.

Ein bemerkenswerter Besuch galt dem verfallenen Luftfahrtmuseum, dem ehemaligen sowjetischen Luftwaffenstützpunkt, auf dem die Kampfhubschrauber «Krokodil» stationiert waren, die in den 1980er Jahren in den sowjetisch-afghanischen Krieg ausflogen.

Sie sind nie zurückgekehrt. Und ich werde es auch nicht.