Neunzig Jahre ist es jetzt her, da erschien in der Weltbühne dieses «Schnipsel» von Kurt Tucholsky: «Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehen. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen.» Daran hat sich bis heute wenig geändert. Der Staat ist noch immer ein geschätzter Arbeitgeber, weil er seinen Dienern das bietet, was diese am meisten schätzen: Sicherheit, auch in Krisenzeiten.

So war ich nur mäßig überrascht, als ich auf Spiegel online unter dem Rubrum «In eigener Sache» las, die Spiegel-Redakteurin Christiane Hoffmann habe den Spiegel verlassen, um den Posten einer «stellvertretenden Regierungssprecherin» anzutreten. Frau Hoffmann, so stand es in der Meldung, sei «seit Anfang 2013 für den Spiegel tätig» gewesen, unter anderem als stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros in Berlin.

Ich bin Frau Hoffmann nie begegnet, aber ich kenne sie. Sie war oft Gast in politischen Talk-Shows («Anne Will», «Maybrit Illner», «Maischberger», «Markus Lanz»), wo sie souverän auftrat und keinesfalls den Eindruck machte, als würde sie für eine Partei sprechen oder staatliche Interessen vertreten.

Nun ist es grundsätzlich nicht ehrenrührig, für eine staatliche Einrichtung zu arbeiten, die Bahn, die Post oder die Polizei. Aber Posten wie Regierungssprecher beziehungsweise -sprecherin werden nicht ausgeschrieben. Man wird nicht Stimme der Regierung, nur weil man bei Borchardt am Gendarmenmarkt einem Minister zugelächelt hat. Für solche Jobs muss man sich qualifizieren. Ein Journalist, jeder Journalist, soll der Regierung, jeder Regierung, auf die Finger schauen. Ein Regierungssprecher wird dafür bezahlt, das schönzureden, was die Regierung tut, wenn nötig auch mit Lügen. Wie also kann man oder frau von der einen auf die andere Seite wechseln?

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