Die Buchbranche ist in einer Krise. Und der Woke-Furor dürfte ihr den Todesstoss geben – wenn nicht bald Einhalt geboten wird.

Doch auf der 74. Frankfurter Buchmesse, die am heutigen Mittwoch beginnt, lässt man die Cancel- und Correctness-Community ungehindert weiterwüten.

Ein «Code of Conduct» listet neuerdings explizit die Benimmregeln auf: Auf deren Einhaltung achtet ein sogenanntes Awareness-Team, das in leuchtenden Jacken und mit Argus-Augen durch die Gänge streift. Und jederzeit via Hotline zu erreichen ist.

Ungute Gefühle? Schiefe Blicke? Unflätige Kommentare? Sobald man sich belästigt fühlt, kann man es machen wie petzende Kindergartenkinder – und das Gouvernanten-Einsatzkommando rückt an. Dessen Mission ist auch, das Sicherheitsgefühl von Minderheiten zu erhöhen, die sich von Vertretern extremistischer Verlage bedroht fühlen könnten.

Allein: Wieso traut man mündigen Bürgern keine Konflikt-Kompetenz zu? Und verdächtigt sie, eine Frustrationstoleranz von Dreijährigen zu haben?

Vielleicht auch, weil es die deutsche Bundesregierung vormacht? Man denke an Angela Merkels «Tipps zum Händewaschen». Und an die Babysprache – «Doppelwumms» – von Olaf Scholz.

Infantilisierung der Bevölkerung, leicht gemacht.

Übrigens, wie wäre es, sich nicht dauernd bedroht zu fühlen?

Auch Selbstreflexion kann nicht schaden. Jürgen Boos, Direktor der Buchmesse, betont, man wolle neurechte Verlage von der Teilnahme nicht ausschliessen, man sei keine Zensurbehörde. Zugleich: Der Gemeinschaftsstand russischer Verlage wurde bereits vor Monaten ausgeladen. Wegen der Nähe der Organisatoren zum Putin-Regime. Auftreten dürfen nur oppositionelle russische Autoren.

Ein freier Geist weht, wo er will. Nur nicht auf der Frankfurter Buchmesse.

Ausgerechnet.