Die Stadt Zürich hadert mit ihrer Geschichte.

Unter der Federführung von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) hat sie es sich zur heiligen Pflicht gemacht, alle rassistisch anmutenden Häuser- und Strassennahmen auszulöschen.

So soll es der Wandmalerei am «Haus zum kleinen Mohren» im Neumarkt ebenso an den Kragen gehen, wie es bereits dem «Café Mohrenkopf» ergangen ist – und wie es dem Denkmal von Alfred Escher beim Hauptbahnhof droht. Denn die historische Überprüfung bringt den Wirtschaftspionier in (sehr entfernten) Zusammenhang mit dem Sklavenhandel des 18. und 19. Jahrhunderts.

Nun sind die Fahnder im Sinne der politischen Überkorrektheit im Bahnhof Wiedikon auf ein weiteres Corpus Delicti gestossen – auf ein Wandgemälde, das seit 1926 dort prangt.

Es stammt vom Zürcher Künstler und späteren ETH-Professor Otto Baumberger, war als Werbung für das Warenhaus Jelmoli konzipiert und zeigt drei Figuren: einen Schwarzen, der einen Teller mit tropischen Früchten trägt, einen Araber mit Turban, der einen Teppich hochhält, sowie eine asiatische Person, die Tee serviert.

Die Botschaft: «Jelmoli bietet hochwertige Produkte aus der ganzen Welt an.»

Ein Bericht der Stadt Zürich kommt zu einer anderen Erkenntnis. Er bringt das Bild in Zusammenhang mit «dem Ausbeutungsverhältnis in der Baumwollproduktion, mit der kolonialen Verstrickung des Warenhandels und mit dem transatlantischen Sklavenhandel».

Der SBB-Kunde, der den Bahnhof Wiedikon seit Jahrzehnten frequentiert und schon Hunderte Male das Gemälde betrachtet hat, erblasst vor Scham und Staunen. Wie konnte ihm dieser (offenbar) offene Rassismus entgangen sein?

Was würden die städtischen Beamten machen, wenn sie sich nicht um selbstkreierte Probleme kümmern müssten? Hätten sie vielleicht nichts mehr zu tun?