Nie seit Beginn der Pandemie war die Zahl der neuen Corona-Fälle in Israel höher als jetzt. Und es dürften weit mehr als die ausgewiesenen 65.000 Patienten sein, denn viele testen sich zu Hause. Sie werden statistisch nicht erfasst, falls das Ergebnis positiv ausfällt.

Mit anderen Worten: Nie war die Ansteckungsgefahr grösser als jetzt. Und sie steigt täglich.

Trotzdem – oder besser gesagt: gerade deshalb – schlägt Israels Finanzminister Avigdor Lieberman seinen Kollegen im Kabinett vor, das Impfzertifikat abzuschaffen. Dieses braucht man derzeit, um in Restaurants, Kinos etc. Zutritt zu erhalten.

Dieses Zertifikat mache keinen Sinn mehr, sagt der Finanzminister. Ihm fehle jede «medizinische oder epidemiologische Logik, und viele Experten stimmen dem zu», twitterte Lieberman gestern. Aber es wirke sich negativ auf die Wirtschaft aus. Der Zertifikatszwang schade dem täglichen Funktionieren der Ökonomie und trage zudem erheblich zur Panik in der Öffentlichkeit bei. Lieberman: «Ich arbeite mit allen relevanten Parteien an der Abschaffung des Grünen Passes, um unseren normalen Tagesablauf zu schützen.»

Unterstützt wird er von Israels führender Corona-Expertin: «Menschen mit einem Risiko für eine schwere Erkrankung müssen besonders vorsichtig sein, wenn sie ausgehen, vor allem an Orten mit grossen Menschenansammlungen,» sagt Gili Regev-Yochay, die die Abteilung für Infektionsprävention und -kontrolle am Sheba Medical Center im Spital Tel Hashomer leitet.

Sie setzt auf die Eigenverantwortung der Bürger – und nicht mehr auf das Zertifikat.