Zürich hat gewählt. Die Bürgerlichen kommen mit einem blauen Auge davon. Die Alternative Liste kann ihren Sitz nicht verteidigen. Walter Angst muss sich Michael Baumer geschlagen geben. Der amtierende FDP-Stadtrat holte 1205 Stimmen mehr als der AL-Kandidat.

Trotzdem kann die Linke Jubeln: Mit der Wahl von Simone Brander holt die SP den vierten Sitz zurück – und erhöht den Frauenanteil in der Regierung auf drei.

Brander nutzt die Gunst der Stunde. Als Vertreterin einer radikalen links-grünen Ideologie, in der das Auto als Teufelsobjekt verwunschen und das Velo zum Engelsgefährt befördert wird, passt sie perfekt ins Denkschema der Zwingli-Stadt. Dass sie quasi in einer Parallelwelt zu Hause ist (ohne Familie, ohne Kinder, ohne Erfahrung in der Privatwirtschaft), kann nicht überraschen.

Im Wahlkampf sagte Brander: «Für mich haben in der Stadt nur Autos Platz, die für Dienstleistungen und Transporte wirklich zwingend sind. Sie müssen aber emissionsfrei werden. Lausanne will bis 2030 keine fossil betriebenen Autos mehr in der Stadt. Als Stadträtin würde ich mich dafür starkmachen, dass national die gesetzlichen Grundlagen für solche emissionsfreien Zonen geschaffen werden.»

Brander wird gemeinhin eine starke Dossier-Kenntnis nachgesagt, mit diesen Worten beweist sie aber das Gegenteil. Denn die Geschichte vom Elektroauto als umweltschonende Alternative ist bis jetzt nicht viel mehr als ein Etikettenschwindel. Solange das Problem der Batterieentsorgung nicht geklärt ist und solange man nicht weiss, woher künftig der Strom kommen soll, gehören Branders Worte ins Reich der Fabeln.

Doch mit ihrer Wahl haben sich die bürgerlichen Bedenken bestätigt. Die Zürcher Stimmbevölkerung träumt von der Stadtoase, in der Schmetterlinge über Teichen kreisen, Ziegen auf Plätzen weiden, die Güter per Velokurier verteilt werden und alles vom Staat subventioniert wird.

Oder mit anderen Worten: In Zürich herrscht Alarmstufe Rot-Grün. Seit diesem Sonntag noch viel stärker.