Für die Forderung von Donald Trump, die Nato-Mitglieder sollten mehr in die Verteidigung investieren und bis zum Jahr 2024 ihre Militärausgaben auf insgesamt 400 Milliarden erhöhen, gab es in Europa wenig Applaus, aber viel Kritik. Auch der ehemalige Vizepräsident Joe Biden fand Trumps Rhetorik damals «provokativ» und wenig hilfreich, wie er sagte.

Was Trump nicht erreicht hat, gelingt nun Wladimir Putin. Unter dem Eindruck seines Angriffs auf die Ukraine stocken Nato-Länder ihre Rüstungsausgaben massiv auf. Einige wollen das Nato-Ziel übertreffen, also mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigungsausgaben ausgeben. In Polen zum Beispiel sollen es künftig drei Prozent sein.

Europaweit wird massiv aufgestockt. Bundeskanzler Olaf Scholz macht für die Bundeswehr 100 Milliarden Euro locker, Polen verdoppelt die Zahl der Soldaten, Finnland will eine bessere Luftabwehr, die Griechen und die Italiener schliessen milliardenschwere Waffendeals ab. Auch Italien, das innerhalb der Nato bisher die bescheidensten Militärausgaben hatte, will die Zweiprozentquote rasch erreichen. Versteht sich von selbst, dass Spanien und die Atommacht Frankreich beim Aufrüsten ebenfalls nicht zurückstehen wollen.

In Europa zieht man Konsequenzen daraus, dass die Friedensdividende aufgebraucht ist. «Wir müssen unsere militärische Haltung an diese neue Realität anpassen», sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag. Es gehe darum, «unsere Sicherheit in allen Bereichen längerfristig zu stärken».