Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und Hochbauvorsteher André Odermatt (beide SP) halten wenig von Tradition und Geschichte. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie lieber heute als morgen dem traditionellsten Theatersaal des Landes – dem altehrwürdigen Schauspielhaus – den Garaus machen und es durch einen Neubau ersetzen würden.

Kurzzusammenfassung der Bestandsaufnahme der Stadtregierung: «Das Gebäude ist in einem baulich schlechten Zustand, die akustischen Bedingungen im Saal sind mangelhaft, die Sicht auf die Bühne bei zahlreichen Sitzen ist eingeschränkt, die Technik veraltet, und es gibt kaum Platz für einen modernen Theaterbetrieb mit ständig wechselnden und aufwendigen Bühnenbildern.»

So strich der Stadtrat das Gebäude kurzerhand aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte – in einer Stadt notabene, in der jeder zweite Hydrant und jedes Bauwerk, das nur annähernd einer bestimmten Epoche zugeordnet werden kann, unter Denkmalschutz gestellt wird.

Beispiele gibt es Dutzende: 2020 erweiterte die städtische und kantonale Denkmalpflege das Inventar der schützenswerten Bauten allein um 34 Objekte aus dem SBB-Fundus – unter anderem das «Bahnwärterhaus Altstetten und Kabelbude» sowie das «Industriegleis Flurstrasse».

Der Pfauensaal aber soll geopfert werden – und damit das einzige Theater im deutschsprachigen Raum, das während des Zweiten Weltkriegs den Spielbetrieb aufrechterhielt, Ausnahmepersönlichkeiten wie Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt oder Bertold Brecht Asyl gewährte und nicht zuletzt für ein wichtiges Kapitel der geistigen Landesverteidigung steht.

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Zwar hält der Verwaltungsrat des Schauspielhaus unbeirrt an seinen Plänen fest, doch diverse Komitees setzen sich mittlerweile für den Erhalt des geschichtsträchtigen Ortes ein – darunter «Rettet den Pfauen» um den Verleger und Chefredaktor Matthias Ackeret.

Mitentscheidend könnte die Zürcher Gemeinderatswahl am kommenden Sonntag werden. Akzentuiert sich die linke Mehrheit, sind die Tage des Pfauensaals wohl gezählt – und ein weiterer Widerspruch der rot-grünen Regierung in Stein gemeisselt: Dieselben Kreise, die sich im Kunsthaus aus moralischen Gründen gegen die Bührle-Sammlung wehren, forcieren die Tilgung einer der wichtigsten historischen Gedenkstätten der Stadt.

Als Nächstes werden sie vermutlich den Abriss des Grossmünsters veranlassen.