Sollte sich die katholische Kirche in Deutschland nicht den zeitgeistigen Vorschlägen des sogenannten synodalen Weges anschliessen, kommentierte der Leitartikler der einst konservativen FAZ, sei sie «ein Fall für den Sektenbeauftragten».

Hm. Als Sektenanhänger habe ich mich sonntags in der Messe nie gefühlt. Zumindest hatte ich, ungeachtet der bisweilen trivialen Predigten, stets das Gefühl, Teil einer stolzen, 2000-jährigen Tradition zu sein und einer Una Sancta Catholica mit 1,2 Milliarden Gläubigen, was fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung entspricht.

Doch nun soll das unter den deutschen Hammer, weil ein entschlossener Stosstrupp von Frauen das in der Tradition für sie nicht vorgesehene Priesteramt verlangt. «Der neuralgische Punkt», so der FAZ-Stratege, sei «die Frauenfrage».

Doch weiter: Auch das Pflichtzölibat soll fallen, gelebte Homosexualität unter Priestern soll anerkannt und die Autorität der Bischöfe in die Gemeinde verlagert werden, kurz: Protestantismus.

Unser Reformstratege gibt zu, dass der «geistliche Prozess», der da listig annonciert wurde, von vornherein nur ein Mittel gewesen sei, die «ohne Zweifel längst überfälligen Reformen zu heiligen». Überfällig? Ach ja? Allerdings machen die Deutschen nur etwa zwei Prozent der Weltkirche aus (das ist zufälligerweise ungefähr der Anteil der deutschen Emissionen fürs Weltklima, das wir ja auch retten wollen).

Und auch wenn Carl Schmitt anlässlich des zweiten, reformatorischen Vatikanums einst kalauerte «Alles fliesst, sagt Heraklit/der Stuhl Petri, er fliesst mit» – ist kaum davon auszugehen, dass Papst Franziskus, der Petrus-Nachfolger, den Hokuspokus mitmacht.

Das Ergebnis wird eine weitere deutsche Abspaltung sein. Und dafür werde ich keinen Cent meiner Steuern zur Verfügung stellen.