Fifa, Uefa, FIS, World Athletics, Formel 1, die internationalen Verbände des Eishockeys und des Handballs: Mit Blick auf die russische Invasion in der Ukraine zeigen die grossen Sportföderationen unübliche Einigkeit und schliessen Russland vom Wettkampfbetrieb aus. Ohne Wenn und Aber. Nach anfänglichem Zögern zeigt auch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) den Sportlern aus Russland und Belarus vor den Winter-Paralympics in Peking die Rote Karte.

Nur der Tennissport verhält sich so, als sei nichts gewesen. Seit dieser Woche steht mit Daniil Medwedew ein Russe an der Spitze der Weltrangliste. Und mit Andrej Rubljow (ATP 6) figuriert ein weiterer Landsmann in den Top Ten.

Ein klares Zeichen setzte dagegen die ukrainische Spielerin Elina Switolina. Als sie am Turnier im mexikanischen Monterrey in der Startrunde der Russin Anastasia Potapowa zugelost wurde, fragte sie ihre Gegnerin zunächst, ob sie darauf verzichte, ihr Land zu repräsentieren. Potapowa lehnte ab.

Darauf schritt Switolina demonstrativ in Blau-Gelb, den Farben der Ukraine, auf den Platz und deklassierte Potapowa 6:2, 6:1. Im Platzinterview sagte sie, dass sie ihr Preisgeld der ukrainischen Armee zugutekommen lasse. «Ich spiele nicht nur für mich, ich spiele für mein Land. Um der ukrainischen Armee zu helfen und den Bedürftigen.» Ihre Eltern und Grosseltern leben immer noch in der Ukraine, inmitten des Krieges.

Switolina zeigt Flagge – und demaskiert die Chefs von WTA und ATP als Feiglinge. Der Sport im Allgemeinen und das Tennis im Speziellen mögen nur kleine Räder in der globalen Machtpolitik sein. Aber auch sie stehen in der Verantwortung, angesichts der sich abzeichnenden humanitären Katstrophe in der Ukraine eine klare Position zu beziehen und die internationalen Restriktionen mitzutragen.