Unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Zeiten sind: Die Arbeitnehmerlobby und die Sozialdemokraten stellten schon immer unverfrorene Forderungen. Die Unia kämpft feurig dafür, dass immer mehr Menschen für immer mehr Geld immer weniger arbeiten müssen. Die Gewerkschaft spielt mit dem Gedanken, eine Volksinitiative für eine 35-Stunden-Woche zu lancieren. Diese Idee steht auch im Wirtschaftskonzept der SP. Viel Glück: In den letzten sechzig Jahren haben sich die Stimmberechtigten viermal massiv gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen.
Nichtsdestotrotz behaupten Unia und die Sozis unaufhörlich, in der Schweiz werde zu viel gearbeitet und zu wenig verdient. Verteilkampf ist ihr Schlüsselbegriff. Ökosozialer Umbau der Wirtschaft. Jobgarantie. Die Abstimmungen über die Arbeitszeitverkürzung haben gezeigt: Für die meisten Menschen macht die Arbeit das Leben süss. Darum ist es unverständlich, dass die Gewerkschaften sauer sind. Obschon mit der finanziellen Lage der AHV in keiner Weise kompatibel, kämpft die Unia auch für eine dreizehnte AHV-Rente. Das würde jährlich gegen 4 Milliarden Franken kosten. Die Unia sagt: «Das Geld ist vorhanden.» Die Gewerkschaft könnte schon mal etwas vorschiessen: Sie besitzt ein Vermögen von über 800 Millionen Franken. Die meisten Abergläubischen findet man übrigens bei den Linken. Wenn es um Kohle geht, fällt diese Einbildung offensichtlich weg. Es kann der Tag kommen, an dem Unia-Bossin Vania Alleva das SP-Präsidium zu einer Sitzung einlädt und verkündet: «Bis in fünf Jahren wollten wir nur noch am Mittwoch arbeiten!» Cédric Wermuth und Mattea Meyer werden fragen: «Am Vormittag oder am Nachmittag?»