Sapporo 1972 wird im Schweizer Sport immer ein Mythos bleiben. Zehn Medaillen gewann die Schweiz damals – und belegte im Medaillenspiegel den dritten Platz. Nur die Sowjetunion und die DDR waren noch erfolgreicher. Da diese Staaten unterdessen aber das Zeitliche gesegnet haben, steht die Schweiz quasi posthum sogar auf Rang eins.

Fünfzig Jahre später gewinnt die Schweizer Delegation in Peking sogar vierzehnmal Edelmetall. Der Vergleich mit Sapporo hinkt insofern, als vor einem halben Jahrhundert 35 Medaillensätze vergeben wurden. In diesem Jahr waren es inflationäre 109.

Und trotzdem darf man getrost von den goldenen Tagen von Peking sprechen – weil vor allem die überragenden Alpinen für Highlights sorgten, die in der Schweiz die olympische Lust doch noch in die Wohnzimmer trugen.

Mit Corinne Suter und Beat Feuz stellt Swiss-Ski gleich beide Champions in der Königsdisziplin Abfahrt. Mit Marco Odermatt und Lara Gut-Behrami fuhren zwei weitere Sportler an unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere zu Gold und bewiesen, dass sie selbst unter grösstmöglichem Druck die beste Leistung erbringen. Überhaupt ist die Dominanz des Skiverbands überwältigend. Auch die Triumphe der Snowboarder, Skicrosser und Freestyler gehen auf das Konto von Swiss-Ski.

Müsste man ein Haar in der Suppe suchen, ist es die fehlende Diversität: Sportarten wie Bob oder Curling spielten diesmal keine Rolle. Und dass uns die Österreicher in letzter Sekunde im Medaillenspiegel auf den achten Platz verdrängten, ist ein kleiner Stich ins Herz.

Letztlich bewiesen die Schweizer Athletinnen und Athleten in China aber auch eine erstaunliche Selbständigkeit. Sie erreichten Aussergewöhnliches, obwohl ihre oberste Chefin (Bundesrätin Viola Amherd) nur durch etwas glänzte – durch Abwesenheit. Aber das war wohl besser so.