Es gab keine Diskussionen. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán öffnete seine Grenzen sofort sperrangelweit. Nach wenigen Tagen schon hat Ungarn gegen 80.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. In Polen tat Präsident Andrzej Duda das Gleiche. Hier fanden in kurzer Zeit gegen 100.000 Ukrainer Asyl. In Polen wie in Ungarn gab die Regierung ohne juristische Vorbehalte umgehend grünes Licht für eine massive Einwanderung.

Polen und Ungarn sind bekanntlich die Lieblingsfeinde der EU und deren administrativen Machtzentren in Brüssel und Berlin. Seit Jahren drischt die EU auf sie ein, weil sie die falsche Immigrationspolitik haben und damit die falschen Werte in dieser noblen Wertegemeinschaft. Beide Länder sind aus EU-Sicht ein Abschaum der Menschheit, weil sie sich weigern, junge, männliche Wirtschaftsflüchtlinge aus Nordafrika und Nahost bedenkenlos aufzunehmen.

Und nun das. Während EU-Staaten wie Deutschland und Italien tagelang theoretische Diskussionen führten, ob sie zuckersüsse oder etwas schärfere Sanktionen gegen Russland verhängen sollten, gingen Ungarn und Polen zur Sache. Sie leisteten das, was am dringendsten war: humanitäre Hilfe mit offenen Grenzen. Nach dem Ukraine-Krieg wird es für die EU ziemlich schwierig werden, Ungarn und Polen weiterhin als die Wertlosen ihrer Wertegemeinschaft zu beschimpfen.