In der Schweiz sind letzte Woche 57 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben. Rund die Hälfte von ihnen waren geimpft.

Das ist eine traurige, aber trotzdem eine gute Nachricht. Denn die Zahlen vermitteln einen falschen Eindruck.

Vorweg die Fakten (gemäss BAG): 96,5 Prozent der Verstorbenen waren über 60 Jahre alt; das mittlere Alter lag bei 86 Jahren (also über der statistischen Lebenserwartung); 98 Prozent hatten mindestens eine schwere Vorerkrankung.

Diese hinlänglich bekannte Risikogruppe ist zu fast 90 Prozent durchimpft. Was bedeutet es nun, wenn bei den 10 Prozent Ungeimpften gleich viele starben wie bei den 90 Prozent Geimpften? Richtig: Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs war bei den Geimpften neun Mal geringer! Oder andersherum: Die Impfung schützt Gefährdete zu 90 Prozent. So wie versprochen.

Exponentiell steigende Fallzahlen zeigen derweil, dass die Impfung das Virus an seiner Ausbreitung kaum hindert. Eine Überraschung ist das nicht. Diese Illusion ist schon in Israel, in den USA oder in Chile zerplatzt, wo früher und massiver geimpft wurde als bei uns.

Wir müssen uns damit abfinden, dass nur eine Ansteckung zu einer nachhaltigen Immunisierung führt. Und dass sich früher oder später alle anstecken werden. Das anerkennt inzwischen selbst der deutsche Corona-Guru Christian Drosten.

Trotzdem ist Zuversicht angesagt. Denn anders als noch vor einem Jahr steigen die Hospitalisationen und Todesfälle weit weniger als die Fallzahlen. Weil die Impfung Gefährdete schützt. Nicht zu 100, aber zu 90 Prozent.

Das Leben bleibt lebensgefährlich. Doch mit jedem, der eine Ansteckung hinter sich gebracht hat, ob mit oder ohne Symptome, steigt die Immunität, sinkt die Gefahr für die Vulnerablen. Und für junge Gesunde ist Covid-19 nicht gefährlicher als eine kommune Grippe.

Die Covid-Task-Force weiss das. Dass sie trotzdem Woche für Woche mit Worst-Case-Szenarien den Teufel an die Wand malt, ist verantwortungslos. Selbst wenn eine gute Absicht dahinterstecken sollte.