Die USA warfen den ersten Stein. Sie teilten mit, die Winterspiele in Peking vom Februar 2022 auf diplomatischer Ebene zu boykottieren.

Australien folgte prompt. Grossbritannien ebenfalls. Auch die EU will keine Politiker nach China schicken.

Nun haben auch linke Schweizer Mandatsträger Olympia als Bühne zur persönlichen Profilierung entdeckt.

Die Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan sagt: «Die Schweiz soll sich den USA anschliessen.» Fabian Molina von der SP ist derselben Meinung: «Es darf nicht sein, dass unsere Bundesräte die chinesische PR-Show beklatschen.»

Beim China-Bashing geht es um Menschenrechtsfragen und die wirtschaftliche Expansionspolitik.

Doch den Sport für diesen Kampf zu instrumentalisieren, ist falsch und scheinheilig. Würde man überall denselben Massstab anwenden, könnte man in nicht mehr vielen Ländern Grossereignisse durchführen – schon gar nicht in den USA.

Ausserdem haben Boykotte noch nie etwas gebracht – weder 1980 durch den Westen in Moskau noch vier Jahre später durch die Sowjetunion in Los Angeles.

Auch der weissrussische Diktator Lukaschenko liess sich nicht wirklich davon irritieren, dass der internationale Eishockey-Verband ihm die WM im vergangenen Frühling entriss.

Den besten Beweis, dass Sport-Boykotte lächerlich sind, liefert die Schweiz: Aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Ungarn boykottierte sie 1956 die Olympischen Spiele in Melbourne – und war damit ziemlich allein. Sogar Ungarn schickte seine Sportler damals nach Down Under.