Sind es noch Sanktionen, die der Westen gegen Russland in Stellung bringt, oder schon Massnahmen in einem ausgewachsenen Wirtschaftskrieg?

Die grösste Atommacht der Erde von ihren Devisenreserven abzuschneiden, setzt einiges an Chuzpe voraus, desgleichen der Rückzug von Visa und Mastercard aus dem russischen Markt. Ob solche Schritte den russischen Präsidenten innenpolitisch wirklich isolieren? Man darf es bezweifeln; die kollektive Psyche ist alles andere als berechenbar.

Hinzu kommt die steil anwachsende Gefahr einer Ausweitung der Konfliktzone. Eine Generation, die Krieg nur aus den Erzählungen der Grosseltern kennt, überbietet sich in Forderungen nach Solidarität mit dem Opfer der Aggression.

Wer dagegen nüchtern auf militärischer Neutralität beharrt, auf Nichteinmischung durch die Nato, sieht sich dem Vorwurf der Hartherzigkeit ausgesetzt. Als ob es löblich wäre, einen kleineren Krieg mit einem grösseren zu bekämpfen.

Putin wird, bevor er oder sein Staat politisch scheitern, den Atomknopf drücken. Nur ein gesichtswahrender Friede kann Europa retten. Wer glaubt, man könne Putin jetzt in die Ecke treiben, ihn mit immer mehr Druck auf die Knie zwingen, riskiert den grossen Knall.